Stiller Reflux aus HNO-Sicht: Interview mit Dr. Michael Schreiner

Stiller Reflux aus HNO-Sicht: Interview mit Dr. Michael Schreiner

Ständiges Räuspern, Heiserkeit, Schleimgefühl im Hals oder chronischer Husten: viele Menschen erleben Beschwerden im Halsbereich, ohne klassisches Sodbrennen zu haben.

Oft fällt dabei irgendwann ein Begriff:
Stiller Reflux

Doch was bedeutet das eigentlich genau?
In dieser Podcastfolge von "Der Reflux Realtalk" spreche ich mit dem HNO-Arzt Dr. Michael Schreiner über stillen Reflux und die typischen Beschwerden im Hals-, Nasen- und Rachenbereich, damit du besser verstehen kannst, was dabei im Körper passiert – und warum Beschwerden wie Räuspern, Heiserkeit oder Schleimgefühl entstehen können.

 

Was ist stiller Reflux?

Beim stillen Reflux gelangen Mageninhalt oder Bestandteile davon bis in den oberen Bereich der Speiseröhre oder den Rachenraum. Im Gegensatz zum klassischen Reflux steht dabei meist kein typisches Sodbrennen im Vordergrund.
Deshalb bleibt stiller Reflux oft lange unerkannt oder schwer einzuordnen.

Typische Symptome von stillem Reflux

Im Interview sprechen wir über Beschwerden, die im HNO-Bereich häufig beobachtet werden.
Dazu gehören zum Beispiel:

  • Räuspern
  • Heiserkeit
  • chronischer Husten

Wichtig ist dabei:
Wie werden diese Symptome von beispielsweise einer Infektion abgegrenzt.

Warum stiller Reflux häufig verunsichert

Viele Betroffene erleben lange eine große Unsicherheit.
Gerade deshalb, weil Beschwerden oft nicht eindeutig wirken.
Hinzu kommt oft, dass im Internet und auf Social Media unzählige Tipps, Verbotslisten und Lösungen rund um stillen Reflux kursieren.
Dadurch entsteht häufig noch mehr Druck.

Wie erfolgt die Diagnostik beim HNO-Arzt?

Im Gespräch erklärt Dr. Schreiner,

  • welche Untersuchungen im HNO-Bereich durchgeführt werden
  • worauf bei der Beurteilung der Schleimhäute geachtet wird
  • und warum bestimmte Befunde darauf hinweisen, dass stiller Reflux vorliegt.

Denn im Halsbereich können Schleimhautreizungen unterschiedliche Ursachen haben.

Was kann helfen?

Auch dieser Frage gehen wir im Interview auf die Spur.

Fazit: Stiller Reflux verständlich einordnen

Stiller Reflux ist ein komplexes Thema.
Gerade deshalb helfen einfache Schwarz-Weiß-Regeln häufig nur begrenzt.

Umso wichtiger sind:

  • verständliche Informationen
  • individuelle Einordnung
  • und ein ruhiger Umgang mit Beschwerden.

 

📘 Das Thema stiller Reflux wird auch in den nächsten Wochen hier im Podcast eine größere Rolle spielen.
Ende August erscheint übrigens mein neues Buch "Dein Ernährungsratgeber Stiller Reflux" im Humboldt Verlag, mit verständlichen Einordnungen und alltagstauglichen Ernährungsempfehlungen.

 

Gesunder Darm: Warum es kein einzelnes Maß gibt
Dein Darm arbeitet den ganzen Tag und meist unbemerkt. Er transportiert den Nahrungsbrei weiter, nimmt Wasser und Nährstoffe auf und bereitet den Stuhl vor. Von der Mahlzeit bis zum Stuhlgang vergeht dabei häufig mehr als ein Tag und diese Zeit ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ein gut arbeitender Darm fällt im Alltag deshalb meist kaum auf.

Einen einzelnen Wert, an dem du ablesen könntest, dass dein Darm „gesund" ist, gibt es nicht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass es bisher keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition von Darmgesundheit gibt. Auch ein „gesundes Mikrobiom" lässt sich nicht genau festlegen, weil Menschen sich darin stark unterscheiden. Ein Idealbild, an dem du dich messen müsstest, existiert also nicht. Es gibt aber Zeichen, die du selbst beobachten kannst.

Drei Alltagszeichen, die dir Orientierung geben

  • Der Rhythmus: In einer Untersuchung mit zufällig ausgewählten Erwachsenen, bei denen Erkrankungen ausgeschlossen worden waren, lag der Stuhlgang bei nahezu allen zwischen dreimal am Tag und dreimal in der Woche. Das ist eine große Spannbreite. Wichtiger als die Zahl ist, was für dich üblich ist und ob sich daran etwas verändert hat.
  • Die Form: Die Bristol-Stuhlformenskala unterscheidet sieben Formen, von sehr hartem, klumpigem Stuhl bis zu sehr weichem oder flüssigem Stuhl. Als üblich gelten die mittleren Formen. Harter Stuhl kann auf eine eher langsame, sehr weicher auf eine eher schnelle Darmpassage hinweisen. Die Skala ist eine Orientierung und keine Diagnose. Einzelne Ausreißer kommen vor, interessant ist das Muster über mehrere Tage.
  • Wie es sich anfühlt: Gehst du ohne starkes Pressen? Kommt der Drang rechtzeitig? Hast du danach das Gefühl, dass alles draußen ist? Und wie fühlt sich dein Bauch zwischen den Mahlzeiten an? Etwas Luft im Darm kann zur Verdauung dazu gehören.

Kein einzelnes Zeichen sagt für sich allein viel aus. Aussagekräftiger ist das Gesamtbild aus Rhythmus, Form und Gefühl über einen längeren Zeitraum.

Schwankungen einordnen und wissen, wann eine Abklärung sinnvoll ist
Dein Darm reagiert auf vieles: auf Schlaf, Stress, Reisen, bei Frauen auch auf den Zyklus, auf Essenszeiten und manchmal auf Medikamente. Kurze Schwankungen gehören deshalb dazu. Wichtig wird es, wenn sich etwas über mehrere Wochen verändert, ohne dass du einen Grund erkennst. Dann gehört das ärztlich abgeklärt. Das gilt auch, wenn Blut im Stuhl auftritt oder du ungewollt Gewicht verlierst, dann bitte zeitnah. Auch die Leitlinie zum Reizdarm sieht vor, dass zuerst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor Beschwerden als Reizdarm eingeordnet werden.

Für dich mit Reflux heißt das: Wenn Reflux, Völlegefühl und Veränderungen beim Stuhlgang zusammen auftreten, lohnt es sich, sie gemeinsam zu betrachten und nicht jedes für sich.

Dein Praxisimpuls für die kommende Woche

Ergänze heute Abend im Kopf oder in einer kurzen Notiz diesen Satz: „Für mich ist üblich …" Zum Beispiel: „einmal täglich, meist am Vormittag, und mein Bauch ist dabei ruhig." Oder: „jeden zweiten Tag, ohne Druck." So kennst du deine eigene Spannbreite und merkst schneller, wenn sich etwas verändert.

🎯 Eine Woche beobachten: Dein Reflux-Symptom-Tagebuch

Wie hängen deine Mahlzeiten, dein Alltag und deine Beschwerden zusammen? Mit dem kostenlosen Symptom-Tagebuch hältst du eine Woche lang Mahlzeiten, Getränke, Situationen und Beschwerden fest. Veränderungen an deinem Bauch kannst du dort bei den Beschwerden mit notieren.

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